Die Maler der Gruppe ZEBRA

Gruppe ZEBRA

Eröffnungsrede

Einige Bilder sind aus Datenschutzgründen entfernt. Die Setzerin

Nissis Kunstkantine, 05. Dezember 2018

 

Liebe Freundinnen und Freunde der Kunstkantine, liebe Gäste,

willkommen im

 

Bernsteinzimmer der HafenCity!

 

Mein Name ist Bernd Roloff, ich bin der Keynote-Speaker der Kunstkantine und darf Euch heute auf das Herzlichste begrüßen, zur 46. Vernissage von Nissis Kunstkantine seit ihrer Eröffnung im März 2013. Zu meiner Rechten meine Assistentin Betty, die meinen Vortrag visuell durch das Hochhalten von Hardcopys und diesmal auch durch Präsentation von Devotionalien unterstützen wird.

 

Bei der letzten Laudatio sind Betty und ich zur Hochform aufgelaufen. Ich bekam sogar ein Jobangebot. Eine Dame trat mit sanfter Stimme an mich heran und fragte mich, ob ich auch Trauerreden halten würde.

 

Ja, meine Damen und Herren, das wär doch was. Betty und ich so am offenen Grab auf dem Friedhof Ohlsdorf bei Rammsteinwetter. Es ist nasskalt, Minusgrade, stürmisch. Einleitungssatz:

 

„Wer ihn kannte, weiß, was wir verloren haben.“

 

Nein, meine Damen und Herren, Betty und ich müssen dieses sicherlich gutgemeinte Angebot zurückweisen.

Das Leben ist keine Generalprobe. Man sollte nur das machen, was einem Leidenschaft und Freude bringt und was ehrlich ist. Insofern darf ich euch ein Zitat meines Lieblingskomikers Markus Krebs entgegenschleudern, wahrlich eine grobe Zote:

Die Künstler der Gruppe Zebra können insofern Vorbilder sein, weil sie in Ihrer Verbindung seit mehr als 50 Jahren leidenschaftlich künstlerische Ziele verfolgen.

Die Gruppe Zebra, das sind heute:

 

Dieter Asmus, Peter Nagel und Dietmar Ullrich.

 

Seid gegrüßt, Ihr Lieben, willkommen in diesem Theater!

 

Was, meine Damen und Herren, ist das Prägende an den Werken der Gruppe Zebra? Ich habe meine Sinne ausgestreckt und lange nachgedacht und bin auf einen Begriff gekommen, der wenn er im Kontext der Kunst und des Künstlerischen benutzt wird, besonders heikel und umstritten ist. Es ist der Begriff

Qualität.

Keinesfalls möchte ich so verstanden werden, dass ich über den Begriff eine Bewertung vornehmen will, was gute Kunst ist und was schlechte, was schön ist und was hässlich. Bewertungen werden sozusagen überbewertet. Aber wenn man ehrlich ist, gibt es doch eine Art von Wahrnehmung, eine Antenne dafür, was einem als solide, gut gemacht, werthaltig, gut ausgearbeitet, niveauvoll, tiefgründig, genial und elegant vorkommt. Bei Jedem ist dieser Qualitätssinn, wie ich ihn mal nennen will, anders strukturiert. Aber einige Aspekte lassen sich durchaus objektivieren.

Nehmen wir doch mal aus dem Wort Qualität das I wie Idee heraus. I wie Idee. Sozusagen.

 

In unserer Einladung haben wir über die Idee der Gruppe Zebra geschrieben:

„Das Ausdruckspotential der Dinge und ihrer Umstände voll ausschöpfen, die exemplarische Verewigung des Anblicks im Kontext auch absurder Inszenierungen, den absoluten Moment erkennen und wiedergeben, dies eint die Künstler der Gruppe Zebra.“

Ein gutes Beispiel in diesem Sinne, die Grafik von Peter Nagel „Sprung vom roten Stuhl“ :

 

In der Tat eine absurde Inszenierung. Wieso springt ein Mann im Anzug von einer Art Kindergartenstuhl. Gerhard Richter hat mal gesagt:

„Ein gutes Bild stellt sich dar als das Unübersichtliche, Unlogische, Unsinnige. Es demonstriert die Zahllosigkeit der Aspekte, es nimmt uns unsere Sicherheit“.

Die Szene wäre eindeutig, wenn der Stuhl ebenfalls schwarz/weiß wäre und der Mann eine Schlinge um den Hals hätte. So, wie Peter die Radierung ausgeführt hat, bleibt das Ganze rätselhaft und assoziationsträchtig.

Und dann dieser perfekte Faltenwurf des Anzugs. Ausdruckspotential der Dinge ausschöpfen, sag ich nur. Die Rückseite des Jacketts bläht sich auf. Der Mann springt also nicht hoch. Die Falten der Hose sind ebenfalls richtig.

Wunderbar an dieser Radierung, die Draperie des Anzugs. Durch die Masseträgheit des Stoffs entstehen Faltenwürfe. Sowas muss man erstmal richtig beobachten, bevor man es malt. Bei Draperien und Faltenwürfen kann man viel falsch machen.

Berühmtes Beispiel in diesem Kontext :

„Die Verkündigung“ von Leonardo da Vinci. Links der Engel, rechts die Maria. Der Engel hat das Problem, dass ihm irgendein ungelenker Maler einfach die Flügel verlängert hat.

Aber nun wollen wir uns mal das Unterteil der Maria ansehen:

Hilfe, oh mein Gott, 1-2-3 ! Wir Zählen ab: Maria hat drei Knie bekommen! Und das ausgerechnet bei der Verkündigung! Verkündigt wurde Maria, dass sie auf unbefleckte Weise den Sohn Gottes gebären wird. Der Verschwörungstheoretiker wittert in der Dreibeinigkeit eine geheime Botschaft. Wir werden von einer fremden Macht von dreibeinigen Aliens beherrscht. Der Krieg der Welten mit dreibeinigen Aliens kündigt sich an.

So nun Spaß beiseite. Wir haben uns eben aus dem Wort Qualität ein I gekauft. In Qualität stecken aber auch noch 2 T´s drin. Die kaufen wir uns auch.

Das eine T steht für Thema, das andere für Technik, also Maltechnik.

Zum Thema, meine Damen und Herren: Die Themen, denen sich die Gruppe Zebra widmet, wurden in einem 10-Punkte-Manifest eines Neuen Realismus festgehalten, mit dem ich zitiere.

 

„Eine neue wirklich bedeutende realistische Malerei des 20. Jahrhunderts mit verschiedenen Ausformungen möglich werden könnte.“

Beziehungsweise,

 „Eine für die Malerei allgemeinverbindliche gegenständliche Grundlage, die Erstellung einer umfassenden Formel für Figuren, Gegenstände, Landschaften, erschaffen wird, mit der jeder nach seinen Bedürfnissen arbeiten kann.“

Was veranlasste die Künstler der Gruppe Zebra Mitte der 60er und noch in der Ausbildung zur Abfassung eines Manifestes?

Peter Nagel hat einmal in einem Interview gesagt:

„Wir hatten immer Gegenwind.“

Der Gegenwind bestand in der, wie Dieter Asmus es einmal ausgedrückt hat, institutionalisierten Abstraktion. Mitte der 60er Jahre war es absolut nicht angesagt, figurativ zu malen. Die Abstraktion hatte sich in ca. 50 Jahren im Kunstbetrieb so etabliert, dass sie neue Ansätze verhinderte. Dietmar hat mir erklärt, dass es drei Tabus auf der Kunsthochschule gab.

  1. Der Gegenstand
  2. Glatte Malerei, Pastos und Handschrift waren angesagt
  3. Inhaltlich durfte man nichts sagen

 

Auf Auktionen gingen am besten Gemälde, die aussahen, wie eine Scheibe Hackbraten.

 

Sie wissen wen ich meine: Jackson Pollock – Action Painting war angesagt!

Ansonsten gab es Popart, die Arte Povera kommt auf. Joseph Beuys hatte schon 4 oder 5 Jahre einen Lehrstuhl und machte Remmidemmi in Düsseldorf.

 

In diesem fröhlich abstrakten Habitat schließen sich nun auf der Kunstschule Gentlemen zusammen, die mit gegenständlicher Malerei einen Kontrast setzen, besser noch rebellieren wollen.

Ihre Lehrer sind davon alles andere als begeistert. Man hatte sich aus guten Gründen vom Abbildenden in der Malerei auf das Informel verlegt und nun fährt gewisser Maßen eine Rockergang vor, und will was Anderes, nämlich einen neuen Realismus.

Das Bild von der Rockergang ist vielleicht gar nicht so falsch. Der Gegenwind wird zum Fahrtwind, den man genießt. Gegenwind ist auch bei Start und Landung von Flugzeugen nützlich. Offensichtlich hatten Dieter, Peter und Dietmar keine Angst vorm Fliegen.

Angst vorm Fliegen, wer kennt das Buch, erotischer Roman? Sage und schreibe 18 Millionen Mal verkauft! Jedenfalls hob die Gruppe Zebra mit ihrer Kunst sofort ab. Galeristen liebten insbesondere Gruppenausstellungen. Museen interessierten sich. Die Skizzierung der Künstlerkarrieren der 3 Zebras wäre abendfüllend.

Ich beschränke mich auf die Feststellung, dass die Gruppe Zebra über Jahrzehnte nachhaltig international erfolgreich war. Wir erinnern uns an die beiden T´s.

Die Gruppe hat ein Thema, aber auch eine brillante Maltechnik. Ein super Beispiel hierfür „Die Skiläuferin“ von Dieter Asmus.

Ich muss wohl nicht betonen, dass dieses Bild meisterhaft gemalt ist. Ich habe eine solche Plastizität in der Darstellung vorher ehrlich gesagt noch nie gesehen.

Der Faltenwurf der Kapuze, die Brille und das prototypische Antlitz der Skifahrerin, das ist höchste Klasse. Auch die beiden anderen Zebras liefern Werke auf diesem Niveau ab. Wäre ich ein Sommelier, der sich mit Wein auskennt, würde ich alle Werke der Zebras als Höchstgewächse bezeichnen.

Wie schafft man das? Dietmar Ullrich  hat zu mir gesagt:

„Begabung ist wohl das Entscheidende.“

Von ihm wurde in der Schule verlangt, Kinderbilder zu malen, das klappte aber nicht, weil er nach dem Studium von Kunstbüchern schon in jungen Jahren altmeisterlich unterwegs war. Dietmar versteht also Begabung als Begabung für die Maltechnik.

 

Unabhängig voneinander haben Peter Nagel und Dieter Asmus ein ganz anderes Verständnis von der künstlerischen Begabung betreffend die Malerei. Wichtig sei vor Allem die Fähigkeit, gut zu beobachten. Eine Sensibilität für die Geschehnisse in der Umgebung, ggf. auch für Zufälligkeiten. Also kommt es nicht so sehr auf die Begabung fürs Technische an, sondern auf die Begabung in der Wahrnehmung. Und wer nicht wahrnehmen kann, kann auch nicht malerisch wiedergeben. Kurz vor dem heutigen Abend hat mir Peter Nagel die Szene beschrieben, die zu seinem Bild „Gockel mit Weintrauben“ geführt hat:

 

„August in der Toscana. Ein Hühnervolk und der Gockel mit den knorrigen Beinen genießen die reifen Weintrauben an der Pergola des Nachbarn. Als unten alles abgefressen ist, schwingt sich der Gockel mit äußerster Mühe auf die 2 Meter hohe Pergola. Hier findet er einen gedeckten Tisch vor und macht sich über die Trauben her. Ich beobachte die Situation aus dem Versteck und lasse den Gockel gewähren. Als er mich aber plötzlich mit der Kamera entdeckt, muss er den Rückweg antreten. Mit äußerst ungelenkem Flügelschlag gelangt er wieder auf dem Boden. Dieser groteske Flug – oder sagen wir Sturz – wurde von mir fotografisch festgehalten und gab mir den Anlass, mein Gemälde ‘Gockel mit Weintrauben‘ zu malen.“

Um die Werke und Charaktere der Zebras darzustellen, hat sich die Kunstkantine dazu entschlossen, einen Dokumentarfilm zu drehen. Die Dreharbeiten sind abgeschlossen. Im Moment befindet sich das umfangreiche Material in der Endbearbeitung. Von Dietmar, Peter und Dieter gibt es Einzelporträts und schließlich ein Podium mit den 3 Künstlern, moderiert von mir. Ich muss sagen, dass dies eins der spannendsten Projekte war, die ich begleiten durfte. In allen Dreien brennt ein Feuer, ein helles, klares Feuer für die Sache.

Möglicherweise ist dieser Film ein erster Baustein für ein Problem, dass die Gruppe Zebra lösen will. Es ist die Frage, was tun mit dem künstlerischen Nachlass, also wenn die Zeit zwischen den Windeln langsam zu Ende geht. Ich war in diesem Sommer bei der Fondation Beyeler in Basel. Die Ausstellung Frances Bacon und Giacometti in Kombination. Die Bude ist jeden Tag voll, absolut beeindruckend ist aber auch das Merchandisinggeschäft. Frances Bacon wird zum Tablett verarbeitet

und sein dramatisches Papstbild taugt zum Mousepad

Gute Idee auch, Gemälde zum Puzzle zu verarbeiten. Ich habe meinen 3 Kindern Puzzles mitgebracht, verpackt in wunderbaren Holzkistchen.

Die Preisspanne der Merchandisingartikel reicht von 5 Franken für die Postkarte bis zu 15.000 Franken für limitierte Editionen – limitiert auf 200, meine Damen und Herren.

Wollen wir doch mal sehen, was das Tablett kostet.

Betty – dreh doch mal das Tablett um und kuck nach: „Oh Schreck – 21 Franken!“

Na, das ist ja ganz ordentlich. Bei gutem Willen betragen die Herstellungskosten 2 Franken und 10 Rappen. Eine schöne Marge.

Ich würde das Museum der Zebras nicht physisch bauen. Ich würde es in höchst anspruchsvoller Weise ins Internet bauen, um dort auch Tabletts und Mauspads mit Zebra-Motiven im Onlineshop verkaufen.

Bislang existiert keine gemeinsame Webseite: „Die Gruppe Zebra, der neue Realismus“. Damit die Gruppe Zebra auch für die Smartphone- und Joystick-Generation attraktiv bleibt, muss hier investiert werden. Und zwar auf einem Niveau, das die nachwachsende Gamer-Generation begeistert und respektiert. Das finanziell erfolgreichste Medienprodukt aller Zeiten ist kein Bild, ist kein Film oder eine Serie. Grand Theft Auto, ein Videospiel aus dem Hause Take Two Interactive, hat 3,5 Milliarden US-Dollar umgesetzt. 29 Millionen Deutsche spielen Videogames. Die Gesamtzahl der Besuche von Kunstmuseen beträgt in Deutschland 18 Millionen, wobei man davon ausgehen kann, dass der Kunstinteressierte 4 oder 5 Mal gezählt wird. Wer heute Reichweite will, muss das Internet bespielen. Und zwar auf niveauvolle, raffinierte Weise. Der Otto-Versand hat den Druck von Print-Katalogen völlig eingestellt. Das Internet der Dinge ist auch im Anzug. Man spricht zu seiner Alexa und schon entsteht in der Küche ein Café Latte mit Sojamilch. Die Kaffeemaschine schickt an Rewe Online eine Bestellung über Schokostreusel usw. Die Digitalisierung ist in dieser Hinsicht nicht mehr aufzuhalten. Ein Klempner zur Reparatur des Wasserhahns zu finden, ist allerdings unmöglich.

Dieter Asmus hat gesagt, es gibt Künstler, die auf unseren Schultern stehen, bzw. auf den Schultern der Zebras stehen wollen. Denen muss ein Ort zur Identifikation gegeben werden und dieser Ort kann auch eine große didaktische Bedeutung bekommen. Dietmar hat sich in dem Einzelporträt, das wir gedreht haben, darüber beklagt, dass ihm auf der Kunsthochschule nichts über Maltechnik beigebracht wurde.

Die Gruppe hat jetzt über Jahrzehnte einen riesigen Bestand an malerischem Erfahrungsgut angehäuft. Und sie hat sich auch ausgetauscht. Peter hat das so formuliert: „Wenn einer was gut hinbekommen hatte, hat er den anderen angerufen und gesagt, er hätte ‚ein Ei‘ gelegt“. Ein solches Know-how muss doch weitergegeben werden. Und aus diesem Know-how wird wieder neues Gutes entstehen.

 

Dietmar hätte z.B. Einiges zu sagen zum Thema „Wie male ich einen Vorhang?“

Einfach ein Meisterwerk. Hier kaufen wir aus dem Wort „Qualität“ das „Ä“. Ä für Ästhetik. Der Vorhang ist so gemalt, dass man ihn anfassen möchte. Der Faltenwurf ist überaus raffiniert. Bei genauem Hinsehen erkennt man, dass die Falten von oben nach unten in Millimetern auseinander gehen. Die wirkliche Brillanz tritt aber dadurch zutage, dass Dietmar auch noch ein Muster mit verarbeitet hat. Wenn ich richtig gezählt habe, ist das Muster 72 Mal auf dem Gemälde repetiert. Jedes Muster faltet sich auch manchmal nur geringfügig anders.

Das Muster selbst ist höchst geheimnisvoll. Auf den ersten Blick ist es eine Art Fratze, im Detail erkenne ich aber Fische und Vögel, aus denen sich die Fratze zusammensetzt. Und wenn ich richtig nah rangehe, dann kann ich da zwei schematische Penisse entdecken. Entsetzt rief ich Dietmar an und fragte ihn, ob ich richtig entdeckt hätte.

Jaja, sagte er, das Muster setzt sich aus Liebessymbolen zusammen. Bei 72 Repetitionen muss man erstmal die Eier dafür haben, 144 Penisse zu malen. Was für ein Aufwand. Dieter Asmus hat in seinem Porträt erklärt, dass sich die Zebras manchmal mit den Worten verabschiedeten, dass man jetzt wieder auf die Galeere müsste. Durchhalten ist angesagt, Sorgfalt ist angesagt. Zumindest Dieter empfindet es als seine Pflicht, der Kunst zu dienen. Er könne unmöglich auf eine Kreuzfahrt gehen und die Kunst so lange allein lassen.

Eine Fratze oder Visage, die sich aus Liebessymbolen zusammensetzt. Das Muster ist ambivalent. Einerseits Schrecken, andererseits Frivolität.

Eine solche Ambivalenz ist ebenfalls typisch für die Werke der Gruppe Zebra.

 

Das Zebra, meine Damen und Herren, gilt ohnehin als ein Tier mit schwierigem Charakter. Rätselhaft sind auch seine Streifen. Zur Tarnung in der Steppe taugen sie nicht viel. Derzeitig sind die akademischen Größen der deskriptiven Biologie der Meinung, dass der evolutive Vorteil der Streifen vor allem darin liegt, dass Insekten nicht gern darauf landen.

Neulich war ich mit dem Wagen in Mecklenburg-Vorpommern unterwegs. Ländliche Gegend, schmale Straße. Da stand rechts ein Schild gegenüber der Einfahrt zu einem Bauernhof und da stand drauf:

„Sprechendes Zebra zu verkaufen“.

Ich bin dann eingebogen und traf den Bauern an.

Ich sagte zu ihm: „Sie haben also tatsächlich ein sprechendes Zebra zu verkaufen?“. „Ja, das stimmt, das steht da hinten auf der Weide, gehen Sie da mal hin, dann können Sie das mit dem Tier klären.“

Ich also hin zum Gatter, das Zebra steht da rum. Ich rufe also: „Komm mal her hier bei mich!“ Ja, das Zebra trabt an und ich sag zu ihm: „Und du kannst sprechen?“ Sagt das Zebra: „Ja, sicher, ich kann sprechen.“ „Du bist also ein sprechendes Zebra?“ sage ich zu dem Zebra. Da sagt das Zebra zu mir: „Ich bin kein Zebra, ich bin ein Pferd im Schlafanzug.“

Na gut, denke ich bei mir, Zebra oder Pferd ist egal – Hauptsache, es spricht. Ich gehe also zu dem Bauern hin und frage ihn, was das Zebra denn kosten soll.

Da sagt der Bauer: „50 Euro.“ Ich sag zu dem Bauern: „50 Euro – so billig? Das ist doch eine Sensation!“ „Ja“, sagt der Bauer, „aber das Zebra lügt meistens.“

Also, Vorsicht, meine Damen und Herren, wenn Ihnen ein sprechendes Zebra sagt, es wäre ein Pferd im Schlafanzug.

Zebras lassen sich im Gegensatz zu Pferden nämlich nicht zähmen und nicht reiten. Der einzige Vorteil des Zebras gegenüber dem Pferd ist, dass es nicht von der

Tsetsefliege

befallen wird und einen kontrastreicheren Bettvorleger abgibt. Wieder eine Idee für den Webshop der Zebras. Hier haben wir ein echtes Zebrafell. Man muss so 1.500,00 EUR dafür hinlegen.

Meine Damen und Herren, zur Gruppe Zebra hat Nissis Kunstkantine einen Katalog aufgelegt. Der Film, den wir mit der Gruppe Zebra gedreht haben, ist Bestandteil dieses Kataloges. Er ist allerdings noch nicht ganz fertig. Er wird aber im Dezember fertig. Im Katalog befindet sich ein Platzhalter, mit dem Sie dann den Film anfordern können.

Eventuell gibt es auch eine Finissage oder eine Medissage, in der wir dann den Film vorstellen werden. Was ich bisher gesehen habe, hat mich sehr erfreut. Der Film hat Qualität. Aus dem Wort „Qualität“ haben wir das „I“ für Idee, zwei Ts für Thema und Technik und das „Ä“ für Ästhetik gekauft.

Damit bleibt von dem Wort „Qualität“ nur noch

„Qual“

übrig. Man merke, ohne die „ität“ wird Kunst zur Qual. Idee, Thema, Technik und Ästhetik gehören dazu.

Unseren Katalog haben wir mit einem Zitat von F. Scott Fitzgerald eingeleitet.

Die Welt existiert nur in deinen Augen. Du kannst sie dir so groß oder so klein machen, wie du es dir wünscht. Mit diesem Zitat möchte ich meinen Vortrag ausleiten. In der besinnlichen Zeit, die jetzt kommt, möge ein jeder seinen Ruhepunkt zwischen Ambition und Bescheidenheit, zwischen stiller Nacht und wilder Party, Upgrading oder Downsizing, Südseeperlen oder buntem Teller finden.

Ich danke jetzt fürs Zuhören und wünsche allen einen schönen Abend.

 

Bernd Roloff