Skip to content

Der Zauber des Anfangs – der Anfang des Zaubers – Atelier Freistil und Mikail Akar

69. Kunstausstellung in Nissis Kunstkantine

Kunstausstellung von Künstler*innen  des Atelier Freistil und Mikail Akar

Dienstag, den 28. September bis Dienstag, den 26. Oktober 2021.

Wir laden herzlich ein zur Vernissage am Dienstag, den 28. September um 19 Uhr.

Die Laudatio hält Bernd Roloff.

Schirmherrin der Veranstaltung ist Catherine Grote.

Gezeigt werden Porträts, Illustrationen, Landschaften, Farbfeldmalerei, Naives, Abstraktes und sogar Konstruktivismus.

Das Atelier Freistil ist eine Kooperation von „Leben mit Behinderung Hamburg“ und der „Elbe Werkstätten GmbH“, in der Künstler*innen mit Beeinträchtigungen Arbeitsplätze und Förderung bekommen.

Athina Efthimiadou

„Was bedeute Kunst für sie, Frau Efthimiadou?“ „Alles!“

Seit ihrem Schlaganfall 2014 fällt es Athina Efthimiadou schwer zu sprechen und ihre recht Hand nicht mehr bewegen. Ein schwerwiegender Einschnitt in ihrem Leben, dennoch erleben ihre Mitmenschen sie als ausgesprochen fröhlichen Menschen, die viel und gerne lacht. Die Malerei hat Athina erst nach ihrem Unfall für sich entdeckt, ihre Tochter hat sie dazu ermutigt.  Die Kunst ist für Athina eine Sprache geworden. Sie malt und zeichnet, im Atelier Freistil und in ihrer Freizeit zu Hause. Thematisch will sie sich nicht festlegen, sie malt Portrait und Landschaftsbilder, mag Stillleben genauso wie abstrakte Malerei.

Katja Keppel

Berge, Seen, Gebäude, Landschaften, Bäche, Blumen, Eiswüsten und Täler. All diese Orte hat Katja Keppel mit ihren Stiften bereist. Die große weite Welt und Nachbars Garten.

Katja Keppel versteht es, Landschaftsszenerien meisterhaft einzufangen und auf das Wesentliche zu beschränken. Die Linie dient ihr dabei als Mittel der Abgrenzung, Umrandung und Portionierung. Eine Linie, die konsequent und entschieden die Anordnung der Zeichnung strukturiert. Landschaften werden so zu eingefassten Formen. Diese Formen füllt Katja Keppel mit Buntstift oder Aquarellfarbe.

So entstehen bunte, ebenso durchlässige als auch entschieden wirkende Szenerien mit dem Mut zur Leerstelle.

Ümmü Burul

„Kunst macht mir Freude. Das Atelier hat mich inspiriert meinen eigenen Weg als Künstlerin zu finden. Am liebsten arbeite ich mit Acrylfarben, weil sie so schön leuchten. Am Anfang habe ich oft Landschaften gemalt, jetzt male ich lieber abstrakter.

In meinen Werken verarbeite ich persönliche Emotionen oder Erlebnisse. Das macht meine Kunst besonders.“

Ümmü Burul schichtet Acrylfarbe übereinander, lässt verdünnte Farbe übereinander laufen. Farbnasen bahnen sich ihren geraden Weg über das Bild und kreuzen einander, es ergeben sich grafische Muster. Es entsteht ein Zusammenspiel vom unbewussten Lauf und dem bewussten Lenken der Farbe mit dem Pinsel.

Frauke Becker

„ Zeichnen heißt – an etwas Gutes denken!“  Dieses ist das künstlerische Motto, welches Frauke Becker antreibt. Gedanken und Erinnerungen sind in ihrer künstlerischen Ausdrucksweise genauso bedeutend, wie Bleistift und Pinsel.

„Das brauche ich zum Leben“ sagt Frauke Becker weiter. Sie bewegt sich dabei in einem Themenspektrum von Landschaftsbeschreibungen, Bauernkaten und Figuren aus dem Umfeld des Theaters.  Ihre enge Verwurzelung mit der Hansestadt Hamburg und den Vierlanden findet sich in ihren Arbeiten wieder.

Frauke Becker verwebt poetische Texte und Zeichnungen zu einem engen Erzählteppich aus Familie, Sehnsucht und Erlebten. Eine Dichterin mit Worten und Farbe.

Ines Maria Bialek

„Ich habe schon immer künstlerisch gearbeitet. So richtig mit Kunst auseinandergesetzt habe ich mich in der Schulzeit. Ich begann damit Comicbilder nachzuzeichnen, hauptsächlich Manga- Figuren. Mit der Zeit interessierte ich mich mehr für Fantasy, aber auch für realistische Malerei.

Ich mache Kunst, weil ich damit meine Gefühle und was ich denke am besten ausdrücken kann. Ich bin ohnehin schon ein sehr zurückhaltender Typ. Durch meine Bilder gelingt es mir trotzdem, mich zu zeigen und mich auszudrücken.  Mich macht es stolz, wenn meine Bilder ausgestellt und verkauft werden. Das erfüllt mich mit Freude.

Ich mag am liebsten Fantasy- Bilder, die eine surreale Note in sich tragen. Ich male gern mit Acryl oder zeichne, wobei ich mich gern von anderen Künstlern oder Bildern inspirieren lasse. Ich finde es schön, dass ich in der Kunst noch so viele Dinge lernen kann.“

Nikolai Sietz

Nikolai Sietz, Jahrgang 1976, ist seit Dezember 2014 als Künstler im Atelier Freistil tätig. Herausragend ist sein Mut für große Formate. In Acryl schafft er abstrakte Landschaften und dynamische Welten. Seine Bilder bieten der Phantasie des Betrachters viel Raum.

Gabriele Radecki

Gabriele Radecki, geboren 1962. „Ich glaube nur an das, was ich sehe.“  Gabriele Radecki  ist eine genaue Beobachterin. Sie kann in kurzer Zeit mit einem Strich eine Figur beschreiben und ihr Wesen mit zeichnerischen Mitteln erfassen. Begegnungen in idyllischer Landschaft, Fabelwesen und Pferde in Bewegung, Männer mit Hündchen, Damen im Pizzakleid- dies beschreibt einen kleinen Ausschnitt der Motive aus dem Ideenschatz der Zeichnerin.  „Ich habe einen Blick für alles, was um mich rum passiert“, sagt die Künstlerin  über ihre Arbeit im Atelier Freistil. Ihre Zeichnungen haben oft einen humorvollen und etwas absurden Moment.
„ Alles, was ich male, ist Realität (Wirklichkeit)“, sagt Gabriele Radecki und meint damit, dass alles so ist, wie sie es zeichnet.

Udo Böhnisch

Udo Böhnisch, geboren 1958. „Hier im Atelier ist immer was los. Das mag ich daran“. Udo Böhnisch ist ein begeisterter Beobachter und findet in seiner Umgebung Inspiration für seine Zeichnungen. Dabei kombiniert er Schrift und Bild. Böhnisch greift Wörter auf, beginnt sie zu formen, fabuliert und reimt. So erfindet er neue Wortzusammenhänge und verbindet diese mit seinen Zeichnungen.
Was interessiert Sie an der Kunst? Die Kunst, der Dunst.
Wo sind Sie geboren? Hamburg Altona, 1958.
Sie interessieren sich für Zahlen, warum? Warum ist die Banane dumm, krumm.
Bei welchem Wetter malen Sie am liebsten? Sonnenschein und  Mondenschein und auch Sternenschein. Wenn der Himmel  abends blau und klar ist.
Was sind Ihre Lieblingsfarben? Lila, orange, anthrazit, beige, rot, gelb, grün, braun, blau, schwarz,  weiß.
Sind Sie gerne in der Natur? Ja, Kultur auch.
Sie sind ja ein Dichter! Woher kommt ihre Freude am Dichten? Von Schichten, von Fichten, von Bösewichten.

Cemile Ötztürk

Cemile Ötztürk, geboren 1972. Die Künstlerin spricht über Ihre künstlerische Laufbahn und ihre Inspirationen:

“Ich bin als Kind nach Deutschland gekommen und denke oft an Istanbul. Geboren wurde ich in einem Dorf. Dort gab es Äpfel, die schön aussahen und gut geschmeckt haben. Ich habe Sehnsucht nach dem Ort. Ich mag die Farbe rot, die Farbe der Äpfel. Im Dorf in der Türkei hatten wir ein gelbes Haus. Ich denke an das Frühstück dort und die Bäume. Die Bettlaken im Haus sind lilafarben. Das Sofa ist blau und wir trinken Tee mit der ganzen Familie“. All diese Farben finden Sie in den Werken von Cemile Ötztürk.

Manuel Llobera-Capella

MANUEL LLOBERA- CAPELLA, geboren 1990. Seine künstlerische Begabung fiel schon in der Schulzeit auf. Seit Eröffnung das Atelier Freistil im März 2010 arbeitet Manuel Llobera- Capella in den Elbe Werkstätten.

Manuel Llobera- Capella ist ein Meister des Kunstzitierens.Werke von Cezanne, Gauguin oder Matisse dienen ihm als Vorlage. Gern malt er Figuren, deren Haltung er seinen Vorlagen entnimmt, verleiht ihnen jedoch einen ganz eigenen Ausdruck. Er entwickelt neue Bildkombinationen, fügt Gegenstände hinzu, verändert Farben. Seine Figuren blicken dem Betrachter entgegen, mal freundlich, mal gelangweilt, mal gedankenverloren oder unbeteiligt. Sie strahlen jedoch immer eine große Ruhe und Gelassenheit aus. Manuel scheute sich nicht, das jemals teuerste verkaufte  Bild von Cezanne zu zitieren. Damit wertschätzt er die Arbeit des Künstlers, so wie seine eigene.

Er malt mit Acryl und Ölfarben, die er geduldig in mehreren Schichten aufträgt. Seine Bilder leuchten in klaren Farben und vermitteln einen plastischen Eindruck. Manuel Llobera- Capella sagt: “Es ist mir wichtig, dass die Betrachter sich gut fühlen, wenn sie meine Bilder anschauen.“

Esther Ravens

Esther Ravens, geboren 1970. „Ich glaube, das Gehirn funktioniert in Bildern noch vor den Sätzen. Wenn mir ein Bild gelingt, schreie ich fast vor Freude. Frei vor dem weißen Blatt, schnell anfangen und dann sehen, sehen, sehen, wohin es will, das Bild. Mit den Händen malen. Und ich produziere auch viel Müll. 99 % Transpiration, 1 % Inspiration. Genie? Es gibt so viele gute Künstler. Sehen, sehen, sehen, erkennen. Und sich immer wieder verneigen.“

Mikail Akar

Deutschlands jüngster abstrakt malender Künstler.

Mikail Akar (8 Jahre) erschafft großformatige Kunstwerke, die man Jonathan Meese oder Jackson Pollock zuschreiben könnte.

Er ist ein Wunderkind und verblüfft mit seinem Können die Kunstszene.

Die Medien stürzen sich auf den „Kindergarten-Picasso“, der vor Allem einfach Spaß daran hat, seine Kreativität malerisch umzusetzen. Tupfen, kleckern, spritzen, sprayen, pastös auftragen, mit dem Spachtel verstreichen – Mikail findet ständig neue Wege.

Auf der Veranstaltung werden Fotos gemacht, Videos und Filme gedreht, und auf der Homepage, Facebook, weiteren Medien evtl. veröffentlicht.

Selbstverständlich findet die Veranstaltung unter Einhaltung der Hamburger Corona-Auflagen und Hygienevorgaben statt. Beachten Sie deshalb bitte die 3G-Regel und kommen Sie geimpft, genesen oder getestet. Sie müssen bitte medizinische Masken tragen. Wir stellen nach wie vor die Kontaktnachverfolgung sicher. Das ist auch per App (z.B. Luca) möglich.

Einladung

Rückseite

Die Formatierungen der Laudatios werden derzeit überarbeitet. Vielen Dank für Ihr Verständnis.

Laudatio

Laudatio Atelier Freistil und Mikail Akar „Der Zauber des Anfangs – der Anfang des Zaubers“ Nissis Kunstkantine, 28.09.2021 Liebe Freundinnen und Freunde der Kunstkantine, liebe Gäste, liebe Künstlerinnen und Künstler! Sie befinden sich in der 69. Vernissage der Kunstkantine und in der 5. Vernissage unter Beteiligung des Ateliers Freistil.   Mein Name ist Bernd Roloff, ich bin der Keynote-Speaker der Kunstkantine und darf Sie herzlich zu diesem besonderen Abend begrüßen. Die Ausstellung hat das Motto „Der Zauber des Anfangs – der Anfang des Zaubers“. Dieser Slogan reflektiert auch auf Mikail Akar, den sogenannten „Kindergarten-Picasso“, der das Angebot dieser Ausstellung mit 3 Werken abrundet.   Selten war das Angebot einer Ausstellung in der Kunstkantine so prismatisch wie jetzt. Klare Handschriften künstlerischer Art haben Athina Efthimiadou, die kubistische Porträts im Stile von Picasso eingeliefert hat, Manuel Llobera Capella, der klassische Motive in naive Malerei übersetzt und Mikail Akar, der sich an Jackson Pollock und Jean-Michel Basquiat orientiert. Die weiteren Künstler arbeiten frei im Stil, wie der Name Freistil schon aussagt. Besonders begrüßen möchte ich ausdrücklich die künstlerische Leiterin des Atelier Freistil, Bettina Grevel, die es erneut geschafft hat, die gezeigten Werke zu kuratieren und die Ausstellung auf die Beine zu stellen. Gute Arbeit, schönen Dank dafür.   Wenn Sie jetzt hier im Publikum stehen, stellen Sie sich die Frage, was habe ich davon, mir diese Laudatio anzuhören. Da die meisten hier stehen, stellt sich die Frage, ob diese statische Kreislaufbelastung auch wirklich belohnt wird. Ich kann Ihnen dazu nur sagen:   „Let me entertain you!“ Dabei wird mir Betty, meine kampferprobte Assistentin, helfen. Sie wird die Exponate hochhalten, die meinen erratischen Vortrag begleiten. Sie ist das Nummerngirl im Kampf der Künste hier im Bernsteinzimmer der HafenCity. Es darf jetzt für Sie geklatscht werden!   Allerdings muss ich Ihnen vorab auch klarmachen, dass eine Vernissage nicht zuletzt eine Verkaufsveranstaltung ist und dass die Weihnachtszeit gefährlich nahe rückt und dass sie hier die Gelegenheit haben, Originale zu erstehen, die Sie als Schenker besonders als Mensch von Geist und Lebensart ausweisen. Heilig Abend ist ein schwieriges Geschäft und nach dem Braten kommt die Bescherung. Da will man als Schenker oder Schenkerin glänzen und die Augen der Beschenkten glänzen sehen.   In diesem Kontext weise ich auf die hinreißenden Tiermotive hin. Hier z.B. Katja Keppel, Europäisches Eichhörnchen Buntstift und Fineliner auf Papier:     Wir sehen hier die expressionistische Wiedergabe eines Europäischen Eichhörnchens, offenbar in gereizter Stimmungslage, denn es fletscht die Zähne. Es hat auch allen Grund dazu, denn das amerikanische Grauhörnchen macht ihm immer mehr sein Terrain streitig. Neben den Farbnuancen ist das amerikanische Grauhörnchen vor Allem daran zu erkennen, dass das Grauhörnchen keine Puschel an den Ohren hat. Wie Sie sehen, sehen sie auf dem Werk von Katja Keppel eindeutig Puschel auf den Ohren. Wenn Sie also Besuch bekommen, können Sie vom Wettstreit der Arten berichten. Europäische Eichhörnchen sind Einzelgänger, die amerikanischen nicht. Europäische Eichhörnchen haben einen sensiblen Magen. Die Amerikaner fressen Alles und werden fast doppelt so groß. That´s America, meine Damen und Herren.   Die Alte Welt, vor Allem England, versucht sich gegen die Besatzung dadurch zu wehren, die Eindringlinge abzuschießen und zu einem schmackhaften Squirrel Pie zu verarbeiten. Hier ein Foto dieses Gerichts im Anschnitt:   Der Geschmack des Hörnchenfleisches soll aromatisch sein, süßlich und eine Mischung aus Lamm und Ente. Zum Schmoren nimmt man übrigens 2 Gläser Guinness-Bier dazu. Ich erinnere daran, dass Heilig Abend der Braten vor der Bescherung kommt. Machen wir doch gemeinsam mal einen Squirrel Pie – bon appetit!   Hinreißend in Farbgebung und Anmutung auch die Tiermotive von Ines Bialek. Hier der „Wüstenfuchs im Abendrot“, Acryl auf Pappe: Wenn Sie AfD-Wähler sind, können Sie das Gemälde auch einfach „Rommel“ nennen. Als Kenner der nordafrikanischen Fauna können Sie das Gemälde auch „Fennek im Abendrot“ taufen. Gut getroffen sind im Gemälde von Ines Bialek vor Allem die Ohren, die 20 % der Körperfläche ausmachen. Sie dienen hauptsächlich der Kühlung. Der Fennek ist ein perfekt an seinen Lebensraum angepasster Geselle, unter Anderem hat er an den Pfoten behaarte Sohlen. Großartig! Wer wünscht sich keine behaarten Sohlen – wünschen wir uns die nicht alle, wenn man über den heißen Strand zum Ballermann läuft, um ein Bier zu holen? Endlich wäre Schluss mit dem mühsamen Getrippel von Sonnenschirm zu Sonnenschirm!   Ebenfalls in die Wüste im Abendrot führt uns Esther Ravens. Eine Karawane rastet im Abendrot. Da keine Maschinengewehre zu sehen sind, findet die Szene offenbar nicht in Afghanistan statt. Die Gesamtanmutung ist romantisch. Ein Kamel und ein Zelt dienen als Deko. Der Himmel hat rosa Wolken. Vermutlich handelt es sich um eine Versammlung von Influencerinnen im steuerbegünstigten Dubai. Man tauscht sich über Schminktipps und Verdienstmöglichkeiten bei YouTube aus.     Wir kommen jetzt vom Medium Sand zum Medium Wasser. Ebenfalls ein Sympathieträger unter den Tieren sind Delfine. Wir erinnern uns an Flipper, unseren besten Freund. Hier die stark expressionistischen „Delfine“ von Ümmü Gülsüm Burul,  Acryl auf Pappe:   Offenbar springen die Tiere aus dem Wasser, mag es der pure Übermut sein oder das Hinhalten schmackhafter Heringe, das zum Sprung animiert.   Es gibt einen Superspeaker namens Tobi Beck, der unter Berufung auf Hippokrates 4 Menschentypen unterscheidet. Nämlich Haie, Wale, Eulen und schließlich den Menschentyp des Delfins. Der Hai stellt sich die Frage, was habe ich davon, dass es andere Menschen gibt? Er ist sehr auf seinen Vorteil bedacht. Der Wal stellt sich die Frage, was hat die Welt davon, dass es mich gibt? Typisch für Umweltaktivisten mit Helfersyndrom. Die Eule ist der Typ, der Alles hinterfragt. In ihrem Kopf steht in Großbuchstaben das Wort: „Warum?“. Kommen wir nun zum Delfin.   Den Delfin kennzeichnet einen Menschentyp mit folgenden Eigenschaften: Heiter, selbstbewusst, optimistisch, ein bisschen angeknipst, verspielt, kreativ, zerstreut und vor allem immer gerne am Reden. Das macht ihn zu einem sehr aufgeschlossenen Typen und auch häufig zu einem guten Redner. Häufigste Fragestellung des Delfins:   „Wo ist die nächste Party?“   Den typischen Delfin können sie in Armin Laschet sehen. Eine rheinische Frohnatur. Flutopfer auslachen, den Wahlzettel falsch knicken, er hat übrigens sich selbst gewählt, ein historisches CDU-Fiasko anrichten und weitergrinsend nach den Kanzleramt verlangen. Typischer Delfin. Wie sagt man so schön im Rheinland:   „Et hätt noch immer jotjejange!“   Nun ja meine Damen und Herren, im Moment ist die Party hier! Aber würde man wirklich Olaf Scholz einladen wollen? Er kommt mir vor wie eine Mischung aus Hai und Eule. Skrupellos seine Bereitschaft, mit der Linken eine Koalition einzugehen. Mit der SED-Nachfolger-Partei wollte er vor Allem den Bürgern ans Portemonnaie gehen. Razzia im Finanzministerium, bei der BaFin passte Niemand auf Wirecard auf und im Cum-ex-Skandal bei Warburg erinnerte sich Scholz an nichts. Die Bank ist ja auch nur 200 Meter vom Rathaus entfernt. Ich wette mich euch, Scholz pennt in einem Pyjama mit Aufdruck „Schlaubi-Schlumpf“! Aber nun zurück zur Party.   In diesem Kontext ein Aquarell von Sigmar Voß zum Thema „Partygast in gehobener Lebensfreude“:   Scheint eine Fetisch-Party zu sein, denn die Fußbekleidung der Dame eignet sich nicht gerade für eine Trekkingtour.   Da freut sich der High-Heels-Fan. Wieso das Gemälde „Kreise“ betitelt wurde, bleibt ein Geheimnis des Künstlers. Es ist aber in jedem Fall sinnvoll, sich bei der Betitelung vorzusehen. Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden haben bislang bei 143 Kunstwerken ihres Bestandes die Titel einfach geändert, weil die Namensgebung durch den Künstler politisch nicht korrekt war. Wer weiß, was Sigmar erwartet hätte, wenn er den deskriptiven Titel „Bondage-High-Heel-Pornopeitsche“ gewählt hätte?   Dann lieber ein politisch korrekten Titel mit einem politisch korrektem Motiv. Was könnte in diesem Kontext passender sein als Fahrradfahren und Müllsammeln?   Hier das Werk von Gabriele Radecki mit dem Titel „Fahrradbesen“:     Meine Damen und Herren, ich bin jetzt 14 Tage lang mit dem Fahrrad zur Arbeit gefahren. Und zwar hin und zurück. Ich glaube, das ist nichts für mich. Das Fahrrad nimmt einfach zu viel Platz im Kofferraum weg! Da passen meine Plastiktüten mit den Plastikflaschen kaum mehr rein. Außerdem knallte immer meine Motorsäge gegen das Fahrrad, das machte mich nervös und mir fiel beim Fahren der Flachmann aus der Hand.   Meine Arbeitsstelle ist übrigens die Maschinenbau-Abteilung dieser Galerie. Wir stellen dort Stellantriebe für Industriearmaturen her. Von daher habe ich eine gewisse Affinität zur Industrial-Art. Zu diesem Thema hat uns Nicolai Sietz das Werk „Pipes“ eingeliefert. Die Übersetzung von Pipe ist Rohr. Wer glaubt, dass Rohre ein langweiliges Thema sind, würde sich bei einem Besuch der Messe „Tube“ in Düsseldorf im nächsten Mai wundern. Die politische Relevanz von Rohren ist uns durch die Debatte über die Nord Stream Pipeline bewusst geworden. Die Amerikaner haben uns gemobbt, weil wir angeblich eine Abhängigkeit zu russischen Gaslieferungen begründen würden. Wir mussten dann die amerikanischen Grauhörnchen mit einem Vertrag über Flüssiggas-Lieferungen beschwichtigen.   Jetzt haben die Franzosen das nächste Problem am Hals, weil ihnen die Amerikaner den Auftrag über Atom-U-Boote geklaut haben, die an Australien geliefert werden sollen.   Ermunternd rufen dem Franzosen zu: Lass den Kopf nicht hängen, so der Titel des Werks von Athina Efthimiadou.   Offensichtlich gemalt im kubistischem Stile von Picasso. Ein wuchtiges Porträt, das Entschlossenheit ausdrückt. Könnte sich Macron ins Büro hängen.   Eignet sich aber auch für Sie, wenn Sie den Rückzahlungsbescheid für Corona-Hilfen in der Post haben. Alle Selbstständigen stehen ja in Hamburg grundsätzlich im Generalverdacht, Subventionsbetrüger zu sein. Anders in der Schweiz: Die ausgereichten Corona-Kredite müssen erst in einem Zeitraum von 8 Jahren zurückgezahlt werden. Die Prosperität von Selbstständigen wird dort großgeschrieben.   Großgeschrieben hat Udo Böhnisch auch seine Signatur auf der von ihm eingelieferten Collage:     Das Motiv hat etwas tricky Augenzwinkerndes an sich. Ideenreich wirkt die aufgeklebte Extremität. Ist dies ein Mann, der sich nicht on die Karten kucken lässt? Oder wird die Hand zur Abwehr von unangenehmen Dingen erhoben, wie etwa einem Rückzahlungsbescheid von Corona-Hilfen.   Wie wir wissen, hat der Rezipient in der modernen Kunst die Deutungshoheit. Es ist nicht wichtig, was der Künstler sagen will, sondern der Betrachter ist in der Interpretation frei. Davon lebt die Moderne Kunst. In diesem Sinne hat Frauke Becker folgendes Werk ohne Titel eingeliefert:   Für den einen bleibt es bei der Betrachtung beim Seherlebnis, der Andere hängt das Bild hochkant auf und sieht darin eine Feuerleiter. Wieder ein anderer belässt es bei der horizontalen Hängung und sieht darin einen Kranausleger.   Völlig ungegenständlich, allerdings gleichwohl in der von Jackson Pollock begründeten und von vielen Künstlern fortgeführten Dripping Art hat  Mikail Akar sein Werk „Yellow Blass“ hergestellt.   Jackson Pollock ist genau wie Mikail Akar ein Künstler, den die Investoren und den Sammlern besonders lieben. Pollocks Werke kosten mindestens 7-stellig. Mikails Werke sind schon 5-stellig im Preis. Da ist noch viel Luft nach oben.   Neben Investoren gibt es auch die sogenannten Bewahrer als Sammlertyp. Dieser Sammlertyp hat schon klassische Gemälde geerbt und versucht, seine Sammlung durch Zukäufe zu perfektionieren. Als Bewahrer, nicht als Sammler, sondern als Künstler, lässt sich Manuel Llobera Capella bezeichnen. Er übersetzt klassische Gemälde in naive Malerei. In diesem Kontext ist Manuels Werk „Der Brautkranz“ zu erwähnen.   Der Brautkranz war ursprünglich ein Gemälde und wurde dann in einen Stahlstich übersetzt. Manuel kann es wie immer nicht lassen, gefällige Ergänzungen vorzunehmen. Auf der drögen Kiste zum Beispiel steht ein dekorativer Blumentopf:   Statt des prüden Unterrocks haben die Protagonistinnen sich mit Strumpfhosen im Giraffenmuster bekleidet.   Noch gewagter wäre ein Strumpfhosen-Design gemäß dem abstrakten Werk von Cemile Öztürk:   Gemäß der ayurvedischen Farbenlehre ist die Farbe Rot dazu geeignet, den Betrachter anzuregen. Angesichts des eher rational trockenen Charakters des Norddeutschen dementsprechend eine gute Wahl, um die Attraktivität des Frauenbeines noch zu steigern. Der Steuerfachangestellte aus Pinneberg braucht etwas Ermutigung in der Eroberungsphase. Dann wird er heißblütig und stürmisch. Meine Damen und Herren, ich bedanke mich für die Gelegenheit, Ihnen die Werke von den 12 Künstlern dieser Ausstellung näher gebracht zu haben. Außerdem habe ich Ihnen eine Anregung für Ihren Weihnachtsbraten gegeben, sie erinnern noch den Squirrel Pie, ein Fleischgericht vom amerikanischen Grauhörnchen. Lassen Sie sich aber heute Abend erstmal die Kunst dieser Ausstellung schmecken. Der Tisch ist gedeckt. Greifen Sie zu. Viel Spaß und dann bis bald wieder in diesem Theater! Bernd Roloff   Aus Datenschutzgründen sind einige Bilder nicht veröffentlicht. Die Setzerin

Vernissage

Exponate

Yellow Blass

Mikail Akar, 2019, Acrylic on canvas, mounted on a wooden stretcher, 120x150
9.500.- €

Apesle

Mikail Akar, 2019, Acrylic on canvas, mounted on a wooden stretcher, 134x165
13.000.- €

Indianer

Mikail Akar, 2019, Acrylic on canvas, mounted on a wooden stretcher, 134x164
12.000.- €
Nissis Kunstkantine

Kunstgalerie & Eventlocation
Am Dalmannkai 6
20457 Hamburg (HafenCity)

Mo – Fr 12-16 Uhr
Und nach Vereinbarung

Nissis Kunstkantine Logo Weiß
An den Anfang scrollen
Suche
Feedback zur neuen Seite
Newsletter

Nissis Kunstkantine Newsletter

Sie möchten unseren Newsletter erhalten und über unsere kommenden Vernissagen und Events informiert werden? Geben Sie einfach Ihren Namen und Ihre E-Mail-Adresse an! Wir freuen uns auf Sie! Ihre Daten werden nicht an Dritte weitergegeben!