Nissis Kunstkantine, mitten im Herzen der HafenCity in direkter Nachbarschaft zur Elbphilharmonie, mit vollverglaster Fassade im Erd- und Obergeschoss, ist der perfekte Ort für Ihre Vernissage.
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#104 KRAFT DER NATUR
Figurativ trifft abstrakt
Bigui und Marta
Einladung zur Vernissage am Mittwoch, den 23.04.2025 um 19 Uhr. Die Laudatio hält Bernd Roloff.
Bigui wurde 1967 als Birgit Deuschle, geb. Heiß in Oettingen geboren. Ihre künstlerische Karriere begann im Jahr 2000 in Brasilien – inspiriert von der Kultur, der Natur und den Farben. Bigui arbeitete mit ihrer Lehrerin und Mentorin der Künstlerin Nanci Bastos eng zusammen und entwickelte ihren ganz persönlichen Stil. Der Reichtum der Natur, das helle Sonnenlicht, die überwältigende Palette natürlicher Farben prägten und prägen die Motive von Biguis Gemälden, ihre Technik und die intensiven Farben ihrer Kunstwerke bis heute.
Heute lebt und arbeitet Bigui als Künstlerin in Deutschland. Ihr Stil hat sich nicht geändert. In ihrem Kopf beginnt jedes Kunstwerk in Brasilien, es entwickelt sich Schicht für Schicht, entwickelt sich um sich wiederholende Objekte der Natur, leuchtende Farben, den Geist einer „neuen Welt“, bis sie mit dem Ausdruck ihrer Malerei zufrieden ist und sie bereit ist, einen polierten Abschluss zu finden.
Biguis Kunst wurde 2017 mit dem Palm Art Award und dem Anerkennungspreis 2018/2020 ausgezeichnet und befindet sich in privaten Sammlungen in Frankreich, England und Deutschland.
Bigui ist Mitglied bei GEDOK in Franken.
Marta Jansana, geboren in Barcelona und seit über 30 Jahren in Hamburg beheimatet, hat sich zwischen zwei Hafenstädten eine künstlerische Identität geschaffen. Ihre Wurzeln liegen in einer Welt voller Kunst, Musik und Theater – eine Prägung, die sich in ihrer Malerei widerspiegelt.
Neben ihrer künstlerischen Arbeit ist Marta Jansana auch als Lehrerin tätig. Sprachen sind ihre zweite große Leidenschaft, und so verbindet sie in ihrem Leben Bildung und Kunst – zwei Welten, die sich gegenseitig inspirieren.
Vor 20 Jahren begann sie mit der gegenständlichen Malerei, doch ihre wahre künstlerische Heimat fand sie in der abstrakten Kunst. Die Bewegung des Pinsels, das Spiel der Farben und die unvorhersehbaren Transformationen durch Wasser und Acryl sind ihr Ausdrucksmittel geworden. Über viele Jahre arbeitete sie mit einer anderen Hamburger Künstlerin vierhändig an gemeinsamen Werken – ein intensiver kreativer Austausch, der ihre Kunst prägte und sie zu Ausstellungen in Hamburg, Spanien und auf Messen in Deutschland führte.
Heute malt sie allein in ihrem Atelier in Ottensen, nahe dem Hafen – ihrem zweiten Ankerplatz. In ihren aktuellen Arbeiten erschafft Marta Jansana kraftvolle Kompositionen aus Farbe, Form und Struktur. Ihre Werke sind das Ergebnis eines Prozesses, in dem sich vor den Augen des Betrachters eine neue Welt entfaltet – spontan, lebendig und voller Emotion. Ihre Kunst zu präsentieren bedeutet für sie, ihr Inneres offenzulegen – ein faszinierender, manchmal auch schmerzhafter Prozess.
Einladung
Rückseite
Die Formatierungen der Laudatios werden derzeit überarbeitet. Vielen Dank für Ihr Verständnis.
Laudatio
Laudatio 104. Ausstellung 23.04.2025
„KRAFT DER NATUR“
Bigui und Marta Jansana
Liebe Freundinnen und Freunde der Kunstkantine,
ein herzliches Willkommen im Bernsteinzimmer der HafenCity! Die Kunstkantine ist happy, heute die 104. Ausstellung mit dieser Laudatio zu eröffnen.
Mein Name ist Bernd Roloff, ich bin der Keynotespeaker der Kunstkantine. Assistiert werde ich heute von meiner Assistentin Betty, blondes Wondergirl der guten Kunst, ohne Strafzoll.
Die heutige Ausstellung hat den Titel
„KRAFT DER NATUR“
und gilt den Werken von Birgit Deuschle, nom de guerre Bigui, und MartaJansana, immer vorneweg und in Barcelona, der Stadt von Miró, geboren.
Dann fangen wir mal an!
Ein Paradebeispiel botanischer Üppigkeit ist das Gemälde von Bigui zum Thema Gingko.
Bigui, Acryl auf Leinwand, 140 x 60 cm, 2024
Ein Gemälde mit Fokus auf Details, Linienführung und Farbverläufe – erinnert durchaus an Georgia O’Keeffe, die allerdings nie ein Bild mit Gingko gemalt hat.
Ein Gemälde aus realistischer Genauigkeit und abstrahierender, emotionaler Verstärkung. Ein Gemälde, das wie ein Foto „draufhält“. Die Pflanze, ein botanisches Musclecar. Mein Gott, ist das gut.
Das Bild beginnt am Sockel mit mächtigem Blattwerk. Darüber konkurriert das Chlorophyll langsam mit dem Hintergrund. Chat GPT formuliert Folgendes zu dem Werk:
„Diese eindrucksvolle Malerei zeigt nicht nur ein botanisches Porträt, sondern eine stille Hommage an einen der ältesten Bäume der Welt – den Ginkgo Biloba.“ – nicht Balboa, BILOBA!
Meine Damen und Herren, es heißt Biloba, nicht Balboa. Und jetzt kommt der Gag: Balboa ist der Nachname Rocky Balboa, alias Sylvester Stallone.
Er ist zwar auch schon 78, scheint aber offensichtlich kräftiges Blattwerk zu haben.
Aber zurück zur Chat GPT-Interpretation des Werkes von Bigui:
„Die Künstlerin fängt in fein nuancierten Grüntönen und weichen Verläufen die besondere Form der fächerartigen Blätter ein, die fast wie tanzende Hände erscheinen – offen, lebendig, empfangend.
Der Ginkgo, oft als lebendes Fossil bezeichnet, steht im Mittelpunkt dieser Darstellung, nicht als starrer Zeuge der Zeit, sondern als atmendes Symbol für Wandel, Resilienz und Erinnerung. Die Blätter scheinen in Bewegung, leicht gewellt vom Wind der Jahrhunderte – ein Zeichen des Lebens in all seiner Zartheit und Kraft.“
Tja, meine Damen und Herren, eines Tages steht hier ein Roboter für die Laudatio, der euch AI-Interpretationen serviert. Und ich höre im Zuschauerraum als lebendes Fossil zu. Aus diesem Narrativ gilt es für mich zu flüchten. Da muss die Birne voll vital sein!
Gingko-Präparate eignen sich zur Behandlung leichter bis mittelschwerer Demenz. Wer kennt das nicht, während der Fernseher läuft und der Beitrag ein leichtes Mitdenken erfordert, begibt man sich zum Kühlschrank, öffnet die Tür, das Licht ging auch schon mal schneller an, und dann hat man plötzlich vergessen, was man vom Kühlschrank wollte. Alternativ wird gesucht, was nicht eingekauft wurde oder was sich gar nicht im Kühlschrank befindet.
Unsere Ausstellung steht unter dem Motto „Figurativ trifft abstrakt“. Als abstraktes Werk hat uns Marta Jansana das Werk „Spiegelung“ eingeliefert.
Marta Jansana, Acryl Mischtechnik auf Leinwand, 100 x 50 cm, 2025
Wobei ich, ehrlich gesagt, die figurative Assoziation eines gespiegelten Sees habe. Die Farbigkeit in Grüntönen der Basis nach Blau aufsteigend, und dann Petrol, das ist nicht gerade die Waterkant, sondern ein kleines beruhigendes Gewässer.
In unserer Einleitung haben wir über Marta geschrieben:
„Ihre Kunst zu präsentieren bedeutet für sie, ihr Inneres offenzulegen – ein faszinierender, manchmal auch schmerzhafter Prozess.“
Das hört sich ja nach Sensibelchen an. Hilfe, die Künstlerin ist hysterisch! Das Innere liegt offen. Man schließe die Tür, sonst ziehts.
Wenn ich mir das Werk „Spiegelung“ so ansehe, so ist da nichts Hysterisches. Das ist ein richtig komplettes Bild. Es hat etwas Beruhigendes und trotzdem die Aufmerksamkeits-Erfordernis an sich. Das richtige Werk hinter dem Chefschreibtisch. Das gilt im Übrigen auch für die anderen Werke von Marta. Brauchen wir nur noch einen Schreibtisch:
Hier das Modell „Dega Desk“ von der rätselhaften Firma Saporiti aus der Provenienz Lombardei.
Stellt euch mal vor, hinter euch die „Spiegelung“ von Marta. Ihr rollert mit dem Stuhl namens „Aspen“ an den Schreibtisch heran, faltet die Hände und sagt:
„Ich bin verliebt ins Gelingen.“ – wunderbar!
Als Zwischenstation der Reise vom Figurativen zum Abstrakten bietet sich der Impressionismus von Monet an. Zwischen den „Gingko“ von Bigui und der „Spiegelung“ von Marta hält der Zug der Bildwürdigkeit bei den „Seerosen“ von Monet:
In diesem Bild spiegeln sich die Bäume, die um den Teich stehen und der Himmel. Im Vordergrund haben wir dann die impressionistisch dargestellten Seerosen.
30 Jahre lang beschäftigte sich Monet schwerpunktmäßig mit seinem Seerosenteich. Die Seerosen hatten sogar einen eigenen Gärtner. Sie sind aktuell wie nie. In der vierten Staffel von „Emily in Paris“ schippert die Protagonistin mit ihrer Kollegin über den Seerosenteich von Monet:
Die Zeitschrift Glamour stört sich in einer Rezension über die Serie daran, dass die Franzosen in der Serie als Sexisten und Chauvinisten, die ihre „Frauen betrügen und sowieso nur essen, trinken und rauchen“, und Emily als „die dümmliche Amerikanerin“, die sich „wie ein Elefant im Porzellanladen verhält“, dargestellt werden. Was solls, 4 Staffeln wurden bereits abgedreht und die 5. ist im Kommen. Erlaubt ist, was gefällt.
Monets Werk wurde zeitgenössisch durchaus wahrgenommen, aber nicht geliebt. Ein Monumentalwerk von ihm landete im Musée de l’Orangerie.
Was ist eigentlich eine Orangerie?
Eine Orangerie ist ein historisches Gebäude oder Gewächshaus, das ursprünglich dazu diente, Zitruspflanzen, Palmen oder andere frostempfindliche Pflanzen während der kalten Jahreszeit zu schützen.
Das Gourmet-Restaurant im Maritim-Hotel Timmendorfer Strand heißt auch „Orangerie“. Dort verbrachte ich vergnügliche Stunden mit meiner Mutter aus Anlass ihrer Reha in der dortigen Kurklinik. Zweifellos ist die Bezeichnung „Orangerie“ ihrer Art nach gefällig und elegant.
In den 1920er Jahren gelangten acht große Seerosengemälde von Claude Monet als Schenkung an den französischen Staat in das Musée de l’Orangerie in Paris.
Diese wurden in zwei ovalen Räumen des Erdgeschosses der Orangerie installiert, so dass sie dort als eine Art Panorama Monets Seerosenteich abbilden. Die Kritik bezeichnete 1952 diese Seerosendekorationen in der Orangerie als „Sixtinische Kapelle des Impressionismus“.
In der sixtinischen Kapelle ist ja bald wieder viel los. Dort findet ja das Konklave statt, die Papstwahl. Gewonnen hat derjenige Kardinal, der eine Zweidrittel-Mehrheit auf sich vereinigt. Sind in 36 Wahlgängen keine Zweidrittel-Mehrheiten entstanden, genügt die einfache Mehrheit. Die Wahlzettel werden mit chemisch gefärbtem Rauch verbrannt. Weißer Rauch bedeutet „Habemus Papam“. Wir haben einen neuen Papst.
Unter Androhung von Strafzöllen hat der Vatikan die Regel abgeschafft, dass nur Kardinäle an der Wahl teilnehmen könnten. Donald Trump hat bereits seine Teilnahme an der Beerdigung angekündigt. Wer weiß, was noch kommt.
Meine Damen und Herren, unsere Ausstellung hat Werke mit markanter Anmutung zum Gegenstand. Insgesamt 20 Werke mit botanischen Darstellungen und abstrakten Gemälden mit gegenstandslosen Sujets.
Die Laudatio, die ihr gehört habt, spannte den Bogen von Sylvester Stallone zu Donald Trump mit Claude Monet im Mittelteil.
Die 104. Ausstellung der Kunstkantine wartet auf eure Entdeckung. Viel Spaß dabei. Ich sage auf Wiedersehen bis nach der Konklave!
Bernd Roloff
Vernissage der Ausstellung "KRAFT DER NATUR"
Exponate der Ausstellung "KRAFT DER NATUR"
Kraft der Natur
Bigui, Acryl auf Leinwand, Diptychon 150 x 90 cm, 2023 3560